Additive im Test: Arznei für den Motor

Laut Werbung sollen Motoröl- und Kraftstoffadditive den Verbrauch senken, die Abgase säubern und den Verschleiß senken. Doch was bringen solche Zusätze? Wir haben zwei Produkte ausprobiert.

Von Ingo Buck (bbs)

Auf der LN-Automeile vor zwei Wochen war der Stand der Firma Tech-Produkt-Chemie von Udo Stamer gut besucht. Das Stockelsdorfer Unternehmen vertreibt Motoröl-Additiven und Kraftstoffsystemreinigern, die Verbesserungen im Motor bewirken sollen. „Das ERC-Nano10-9 Motoröl-Additiv und das ERC-Diesel Plus sind die Renner“, sagt Udo Stamer und fügt hinzu, dass er Referenzen hat, die die Wirksamkeit bestätigen würden. Eher skeptisch lassen wir uns auf einen Test ein.

Kraftstoff-Systemreiniger
Dafür herhalten soll ein Audi A6 2,5 TDI (Baujahr 2000, 180 PS), der schon 252.000 Kilometer auf dem Tacho hat. Zuerst lassen wir im Kfz-Meisterbetrieb das Abgas des Testwagens untersuchen. David Pasdzierny schließt den 20.000 Euro teuren Emissionstester an und macht drei Messdurchgänge. Das Ergebnis lässt Udo Stamer blass werden, denn der Audi hat hervorragende Werte (der Fachmann spricht vom Trübungswert), wie die eines neuen Motors. „Da kann man sicherlich nichts mehr verbessern“, glaubt Kraftfahrzeug-Techniker-Meister Pasdzierny und stuft den sehr guten Wert als selten ein für einen Motor mit dieser Laufleistung.

Udo Stamer gibt den Kraftstoffsystem-Reiniger in den Tank. Bei einer Fahrt auf der Autobahn soll das Kraftstoff- und Einspritzsystem gereinigt werden, bevor wir ein zweites Mal das Abgas messen.

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Das Ergebnis erstaunt alle: Der Trübungswert sinkt um 20 Prozent. Dazu läuft der Motor weicher, ruhiger und deutlich leiser als zuvor. „Das Mittel hat den Dieselmotor von Ablagerungen und Verkokungen an Einspritzdüsen, Brennräumen, Kolbenböden und Ventilen gereinigt“, erklärt Stamer das Ergebnis.

Gegenüber den meisten anderen Additiven, die auf dem Markt sind, setze er auf eine hohe Konzentration der Additive. Viele Mittel enthielten nur stark verdünnte Zusatzadditive. Deshalb wirke sein Kraftstoffsystemreiniger auch nach so kurzer Einwirkzeit sehr effizient. Diesen Systemreiniger gibt es für diesel- und benzingetriebene Fahrzeuge als Einliter-Gebinde für 30,80 Euro. Damit erfolgt die Schnellreinigung.

Für einen dauerhaften Schutz empfiehlt Udo Stamer „ERC-Diesel Plus 1000“ für 6,49 Euro in einer schmalen 250 Milliliter-Flasche zum Nachfüllen beim Tanken. Der Inhalt reicht für 250 Liter Diesel oder rund fünf Betankungen aus. Fazit: Kraftstoff-Systemreiniger, wie das ERC-Produkt, können das Motoreinlass-System säubern und Schadstoffemissionen senken. Besonders wirkungsvoll tritt dieser Effekt auf, wenn die Fahrzeuge oft im Kurzstreckenverkehr eingesetzt werden und sich dadurch verstärkt Ablagerungen gebildet haben. Auch in einem neuen Motor können sich schon nach wenigen Tankfüllungen Ablagerungen bilden, die das Abgas-Emissionsverhalten verschlechtern. Bei saisonalen Fahrzeugstilllegungen können sich zudem Bakterien und Pilze im Dieselkraftstoff bilden. Auch hier soll laut Hersteller der Kraftstoffsystemreiniger vorbeugend helfen können.

Verbrauchstest Öladditiv
Um den Spritverbrauch langfristig zu senken, muss die Reibung der sich bewegenden Teile verringert werden. Motoröladditive können eine ultradünne Schicht aufbauen. Dabei kann eine Verhärtung der Metalloberfläche auftreten, bei gleichzeitiger Bildung einer glatten Schutzschicht. Die Wirkung von Additiven ist nicht sofort spürbar, da der chemische Prozess langsam eintritt. Manche Additive benötigen einige tausend Kilometer, bevor sich der Verbrauch verringert. Beim ERC-Nano 10-9 Motoröladditiv von Firma Tech-Produkt-Chemie soll die Wirkung nach 300 Kilometern einsetzen. Bis zu acht Prozent Kraftstoffeinsparung verspricht Stamer bei Anwendung seines Produkts.

Wir sind skeptisch und prüfen die Aussage erneut an unserem Testauto. Bevor das Mittel eingefüllt wird, empfiehlt Stamer eine Motorinnenreinigung mit einem Ölreiniger. Dann erfolgt ein Öl- und Filterwechsel mit Zugabe des Öladditivs.

Gefahren wird auf einer genau definierten Strecke von 300 Kilometern. Mit einem Verbrauch von 8,3 Litern Diesel im Schnitt absolviert der Sechszylinder diese Fahrt. Da das Additiv erst nach 300 km wirken soll, beginnen wir jetzt erneut mit der Fahrt unter gleichen Bedingungen.

Das Ergebnis ist erstaunlich: Nur 7,6 Liter Diesel auf 100 km verbraucht der Audi diesmal, was einer Verbrauchsminderung von mehr als acht Prozent entspricht. Die Ersparnis entspricht 85 Cent auf 100 Kilometer. Das Öladditiv kostet im 200 ml-Gebinde (ausreichend für sechs Liter Motorölinhalt) 17,95 Euro, womit es sich bei unserem Testauto nach 2110 Kilometer rentiert.

Nach diesem Test können wir eine verbesserte Gasannahme feststellen und eine geringere Bremswirkung des Motors bei der Gaswegnahme. Die verminderte Reibung kann dafür verantwortlich sein.

Das von uns getestete Öladditiv ist vom Tüv auf seinen Verschleißkennwert getestet worden und soll ein doppeltes Lasttragvermögen (Druckbelastbarkeit des Ölfilms) gegenüber normalen Motorölen haben. Laut Stamer ist es universell einsetzbar, für alle mineralischen und synthetischen Motoröle in Diesel- und Ottomotoren.

Wichtig: Vor dem Gebrauch eines Additivs sind die Angaben des Fahrzeugherstellers zu beachten. Viele Automobilbauer lehnen Ölzusätze strikt ab und verweigern bei deren Verwendung Garantie oder Gewährleistung, wenn Schäden am Motor auftreten. Info: www.tech-produkt-chemie.com oder Telefon: 0451-494688

BU: David Pasdzierny, Kfz-Meister von Firma Pasdzierny in Stockelsdorf: Öl- und Kraftstoffadditive sind nicht neu. Dieses Ergebnis ist aber überraschend gut ausgefallen. Kraftstoffeinsparung und Abgasemissionsverbesserungen sind gerade bei der Klimadiskussion ein wichtiges Thema.

Dirk Schönberg, Werkstattmeister MAN-Nutzfahrzeuge Lübeck: Wir sind durch Kunden von den Additiven der Firma Tech-Produkt-Chemie aufmerksam gemacht worden. Nach deren Aussagen konnten die Diesel-Verbräuche in den Lastkraftwagen nennenswert reduziert werden.

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zuletzt aktualisiert am 02.12.2020 

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