Fiat Abarth Wenn der Skorpion sticht

Wer hätte gedacht, dass der kleine Fiat 500 so eine Renaissance erlebt. Kaum da, war er fast vergriffen. Jetzt schiebt Fiat nach und tritt dabei mächtig aufs Gaspedal – mit dem 500-er und dem Grande Punto Abarth.

Von Bettina Buck (bbs)

Kleine Fahrzeuge mit großer Leistung zu bauen, ist die Philosophie der Marke mit dem Skorpion im Wappen. Was die M-GmbH bei BMW, AMG bei Mercedes Benz oder die RS-Abteilung bei Ford – sie alle bauen individuelle Autos mit hohem Sport- und Spaßfaktor. Fiat hat die Tradition der seit 1971 integrierten Abarth & C. wiederbelebt und startet mit zwei eindrucksvollen Exemplaren neu durch.
Fiat 500 Abarth
An viele kleine Details haben die Italiener gedacht, als sie den rundlichen 500-er in sein sportliches Gewand steckten: Dazu gehören 16-Zoll-Alufelgen mit dem Abarth-Logo, rot lackierte Bremssättel und Außenspiegel, eine zweiflutige Auspuffanlage mit dem charakteristischen Skorpion-Logo auf den Schalldämpfern und gezielte Veränderungen der Basis-Karosserie, um die Aerodynamik zu verbessern. Einen tieferen Frontspoiler, breite Seitenschürzen, Heckabschluss mit unterem Diffusor und oberem Dachspoiler haben die Designer perfekt an die kleine Karosserie angepasst.
Auch das Interieur zieren Features aus dem Rennsport, wie die körpergerecht konturierten Sportsitze oder das Cockpit mit Ladedruckanzeige und LED-Signal für den optimalen Schaltzeitpunkt. Ein unten abgeflachtes Dreispeichen-Sportlenkrad mit Multifunktionstasten und Aluminium-Pedale vervollständigen den Auftritt.

 

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Aber auch diverse Komfortelemente haben die Italiener nicht vergessen, wie Klimaanlage, elektrische Fensterheber, CD-Radio mit Hi-Fi Verstärker-System und eine Funkfreisprechanlage mit Sprachsteuerung, SMS-Leser und USB-Anschluss. Bei der Sicherheit wurde ebenfalls nicht gegeizt: Sieben Airbags, ESP mit elektronischem Sperrdifferenzial und Anfahrhilfe am Berg sind serienmäßig an Bord des nur 1110 kg leichten Fronttrieblers.
Das Herzstück des Fiat 500 Abarth besteht aus einem 1,4-Liter Reihenvierzylinder mit Turboaufladung, der 135 PS an ein sportlich abgestimmtes Fünfgang-Schaltgetriebe schickt. Per Druckknopf lässt sich das Drehmoment von 180 Newtonmeter im Sport-Boost-Modus auf 206 Nm steigern. Damit verbunden ist auch ein direkteres Ansprechen von Lenkung und Gaspedal.
Die erste Ausfahrt
Wir haben den kleinen Wilden einem ersten Test unterzogen und haben die beiden unterschiedlichen Fahrprogramme ausprobiert. Im normalen Modus ist die Lenkung weniger direkt, aber dafür schön leichtgängig, was sich im Stadtverkehr positiv bemerkbar macht. Die Leistungsentfaltung entspricht schon jetzt subjektiv einem Fahrzeug mit rund 150 PS, da der Abarth relativ leicht ist. Wechselt man auf den Sportmodus holt der Skorpion seinen Stachel raus. Sofort fällt die direkte und dadurch schwergängige Lenkung auf. Das Gaspedal reagiert auf jeden Druck des Gasfußes und der Motor setzt die Befehle unverzögert in Vortrieb um. Schaltarbeit ist jetzt angesagt und schnell lassen sich die fünf Gänge auf kurzen Wegen durchschalten. Innerhalb von 7,9 Sekunden erreicht die Tachonadel die 100-er Markierung. Das Fahrwerk hat es in sich und gibt jede Bodenwelle als Information an den Fahrer weiter. Kurven gehören zur Lieblingsspielwiese des Abarth: Äußerst flink werden Kurvenkombinationen gemeistert, ohne dass der elektronische Helfer (ESP) eingreifen muss.Nur das elektronische Sperrdifferenzial arbeitet auf vollen Touren und macht seine Sache gut, auch wenn sich in scharfen Kurven das kurveninnere Rad von der Fahrbahn abhebt. Die Motorleistung empfinde ich nicht wesentlich höher als zuvor, aber das Ansprechverhalten ist gieriger. Im Drehzahlbereich von 3000 Umdrehungen und darüber fühlt sich der 16-Ventiler am wohlsten.
Im Gegensatz zum bisherigen 100 PS-Serienmodell des 500-ers für 12 500 Euro ist der für 18 100 Euro erhältliche Abarth um 5600 Euro teurer. Zählt man aber die ganzen Zutaten zusammen, die Fiat in den Abarth hat einfließen lassen, dann ist das Geld mit Sicherheit nicht verkehrt angelegt – insbesondere dann, wenn man sportliche Autos mag.
Mehr Gift
Wem der 135 PS-Skorpion im Fiat 500 Abarth nicht giftig genug ist, kann für ebenfalls 18 100 Euro in den 155 PS starken Grande Punto Abarth steigen. Der um 34 Zentimeter längere Punto hat die gleichen Zutaten erhalten wie der 500-er, muss aber 150 kg mehr mit sich herumschleppen. Die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 km/h ist demnach erst in 8,2 Sekunden erledigt. Im Kraftstoffverbrauch halten sich beide zurück: Nur 6,5 Liter Superbenzin verbraucht der kleine Skorpion, während der größere 6,9 Liter Superbenzin auf 100 km verköstigt. Ausstattung und Fahrgefühl ist in beiden Fahrzeugen fast identisch – kultiger ist der 500 Abarth aber auf jeden Fall. Den Grande Punto gibt es auch mit einem Motor-Kit in Verbindung mit stärkeren Bremsen und geändertem Fahrwerk, bei dem die Leistung auf 180 PS gesteigert wird. Dieser Umbau ist auch nachträglich, innerhalb eines Jahres ab Kauf oder bis zu einer Laufleistung von 20 000 km, bei einem offiziellen Abarth-Vertriebspartner möglich. Zurzeit gibt es 25 Standorte in Deutschland, wobei in Hamburg der einzige Händler für Norddeutschland sitzt.
Die roten Zierstreifen auf den Flanken trug schon der Fiat Abarth 595 Lusso von 1963.
Fiat 500 Abarth: Alupedale, Sportlenkrad und kurze Schaltwege gehören serienmäßig dazu. Ledersitze kosten 1100 Euro Aufpreis.
Grande Punto Abarth: Front, Kotflügelverbreiterungen und Seitenschweller wurden geändert. Exklusive sind die 17-Zoll- Aluräder.

Technische Daten
Fiat 500 Abarth
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner, 16 Ventile
Hubraum: 1368 cm³
Leistung: 99 kW/136 PS bei 5500 U/min.
Max. Drehmoment: 206 Nm bei 3000 U/min
Beschleunigung: 7,9 s
Spitze: 205 km/h
Verbrauch: 6,5 l Super/100 km, CO2 155 g/km
Antrieb: Frontantrieb mit elektr. Sperrdifferenzial, Fünfgang-Schaltung, ESP.
Länge: 3,66 m
Breite: 1,63 m
Höhe: 1,49 m
Leergewicht: 1110 kg
Tankinhalt: 35 Liter
Gepäckraum: 185 Liter
Preis: 18.100 Euro
Fiat Grande Punto
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner, 16 Ventile
Hubraum: 1368 cm³
Leistung: 114 kW/155 PS bei 5500 U/min.
Max. Drehmoment: 230 Nm bei 3000 U/min.
Beschleunigung: 8,2 s
Spitze: 208 km/h
Verbrauch: 6,9 l Super auf 100 km, CO2 162 g/km
Antrieb: Frontantrieb mit elektr. Sperrdifferenzial, Sechsgang-Schaltung, ESP.
Länge: 4,04 m
Breite: 1,73 m
Höhe: 1,49 m
Leergewicht: 1260 kg
Tankinhalt: 45 Liter
Gepäckraum: 275 Liter
Preis: 18.100 Euro

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zuletzt aktualisiert am 15.12.2018 

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