Zuschauer-Boom bei Rallye Hamburg-Berlin

Old- und Youngtimer so beliebt wie nie.
Platz-19--Bucgross
Die Rallye Hamburg-Berlin hat am Wochenende die Faszination für das Kulturgut „Auto“ um eine Stufe angehoben. Einige tausend Zuschauer säumten die Durchfahrtsorte zwischen Berlin und Hamburg. Klein und groß winkten den 183 Teilnehmern begeisternd zu, als diese mit ihren alten Fahrzeugen durch die wunderschönen Orte, wie Göhren-Lebbin, Wittstock, Alt-Schwerin oder Wittenburg fuhren. Die Rallye Hamburg-Berlin ist eine der größten Gleichmäßigkeits-Rallyes (siehe Info-Kasten) dieser Art in Norddeutschland und fasziniert gleichermaßen Zuschauer und Teilnehmer.
Immerhin 18 Wertungsprüfungen mussten die „Oldies“ bewältigen. Dabei kam es nicht auf Höchstgeschwindigkeit, sondern auf Gleichmäßigkeit an. Wer denkt, dies sei doch recht einfach, der irrt. Die Strecke wird auf die hundertstel Sekunde genau vorgegeben und das Team aus Fahrer und Beifahrer muss nicht nur mit der Stoppuhr den Start an der Lichtschranke genau treffen, sondern auch die Ziellichtschranke im exakt richtigen Moment durchfahren, um in der Wertung vorne zu sein. Das schaffen einige Teams sogar mit null Strafpunkten und bei denen, die es nicht so gut machen, kann manch eine Beziehung schon mal auf die Feuerprobe gestellt werden, besonders unter Eheleuten. Anfänger sind froh, wenn sie die Vorgabe innerhalb einer Sekunde treffen, denn für jede Sekunde Abweichung gibt es 100 Strafpunkte. Wer es nicht innerhalb einer Abweichung von vier Sekunden schafft, erhält maximal 400 Strafpunkte. Den Gesamtsieg der Rallye Hamburg-Berlin holte sich der siebenfache deutsche Rallyemeister Matthias Kahle (Köln) mit Beifahrer Andreas Steinbrenner (Wolfsburg) im Skoda 130 RS (1976) vor Hanns-Werner Wirth (Fürth) und Bobfahrer-Legende André Lange (Oberhof) im Opel GT von 1968.
Die Teams aus dem Verbreitungsgebiet der Lübecker Nachrichten schlugen sich wacker. Bettina und Ingo Buck aus Sarau/Glasau erreichten den 19. Gesamtrang auf einem seltenen Mitsubishi Galant von 1978. Henning Oldenburg (Lübeck) mit Beifahrer Stefan Rath (Hamburg) machten der Typenbezeichnung ihres VW K 70 alle Ehre und kamen als 70. ins Ziel. Steffen Wichmann (Hamburg) mit Copilot Frank Zwiebelmann aus Reinfeld steuerten im Peugeot 204 Cabrio auf einen ehrbaren 97. Platz von 170 Fahrzeugen, die das Ziel in Hamburg erreichten.
Neben dem sportlichen Aspekt der Rallye zählen die vielen Impressionen, die den Teams auf der dreitägigen Ausfahrt begegneten. TV-Koch Horst Lichter machte seine Späßchen im Bentley Petersen Speed Six und verfährt sich prompt. Zurück auf der Strecke gab er Auskunft, dass er nur mal nachsehen wollte, wohin der Weg denn führt. Platz 170 schadete seinem Spaßfaktor dabei überhaupt nicht. Rennsportprofi Hans-Joachim Stuck (Kitzbühl) packte da schon mehr der Ehrgeiz und mit seinem VW Golf GTI fuhr er mit Beifahrer Andreas Schleef (Braunschweig) einen sehr guten sechsten Platz heraus. Katarina Witt ist als Eiskunstläuferin Kälte gewöhnt und fährt mit Ulrich Knieps (beide München) auch im Regen mit dem BMW 328 Roadster offen auf einen guten 20. Gesamtrang. bbs
Infokasten
Was ist eine Jux-Rallye: Wird auch Kirchturm-Rallye genannt. Markante Punkte müssen angefahren werden und das Team muss Fragen beantworten. Spaß steht im Vordergrund, Geschwindigkeit spielt keine Rolle.
Was ist eine Orientierungs-Rallye: Mit Hilfe von Kartenskizzen, Chinesen-Zeichen und Ortsangaben muss der Beifahrer dem Fahrer den richtigen Weg weisen. Stempel- und Nummern-Kontrollen stehen auf der Idealstrecke und müssen unter Einhaltung der vorgegebenen Zeit angefahren werden. Der Beifahrer muss sachkundig sein und gut mit einer Straßenkarte umgehen können.
Was ist eine Gleichmäßigkeits-Rallye: Bei den meisten Oldtimer-Rallyes werden Wertungsprüfungen mit unterschiedlicher Länge und einer genau einzuhaltenden Zeit vorgegeben: Fahren sie 60 Meter in elf Sekunden und anschließend 1410 Meter in zwei Minuten und 13 Sekunden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist selten höher als 50 km/h. Die Schwierigkeit liegt im guten Zusammenspiel von Beifahrer, Stoppuhr, Fahrer und Auto.
Was ist eine Bestzeiten-Rallye: Fahrer und Beifahrer müssen Rennsport-Lizenzen besitzen, feuerfeste Kleidung und Motorsport-Schutzhelme tragen. Das Auto ist mit Überrollkäfig und Schalensitzen speziell vorbereitet. Gefahren wird auf Verbindungsetappen im normalen Straßenverkehr unter strikter Einhaltung der StVZO und auf abgesperrten Strecken, die per Sondergenehmigung mit hohen Geschwindigkeiten gefahren werden dürfen. Auf den Wertungsprüfungen versucht das Team in seiner Hubraumklasse und im Gesamtergebnis die Bestzeit zu erreichen. Hohe Konzentration im Team erforderlich. Der Beifahrer liest während der Rallye-Prüfung dem Fahrer über eine Gegensprechanlage aus dem „Gebetbuch“ den Streckenverlauf vor: 100 (Meter) rechts fünf (weiter Kurvenradius) über Kuppe geht voll, 300 bremsen auf Schotter zur links zwei (90 Grad Kurve), 570 rechts drei zur links drei – sofort bremsen zur rechts eins am Stoppschild.

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zuletzt aktualisiert am 12.12.2017 

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