Winterreifen: Gummi ist nicht gleich Gummi

Jeder zweite deutsche Autofahrer weiß nicht, wie Winterreifen gekennzeichnet sein müssen, nur jeder fünfte kennt die zulässige Profiltiefe. Dies geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest hervor.
Von Bettina Buck
Die repräsentative Befragung von mehr als 1000 Autofahrern ergab jedoch auch, dass mittlerweile mehr als 80 Prozent der Autofahrer in der kalten Jahreszeit ihre Fahrzeuge auf Winterreifen umrüsten. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 stiegen erst 42,6 Prozent um.
Die Meinungsforscher stellten auch fest, dass bislang weit verbreitete Vorurteile gegenüber Winterreifen langsam schwinden. So wissen heute die meisten Autofahrer, dass Winterreifen nicht mehr Kraftstoffverbrauch bedeuten. Aber immer noch glauben 60 Prozent, dass Winterreifen lauter sind als Sommerreifen.

touch


Gravierende Unkenntnis
Ein weiteres gravierendes Manko ist der Umfrage zufolge die Unkenntnis über die Mindesprofiltiefe von Winterreifen. Nur jeder fünfte Befragte wusste, dass laut Straßenverkehrsordnung (StVO) lediglich 1,6 Millimeter vorgeschrieben sind. Technisch richtig sind aber vier Millimeter – das wussten immerhin mehr als 40 Prozent.
Anfang 2006 ist Paragraph zwei der StVO erweitert worden: „Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehört insbesondere geeignete Bereifung.“ Zwar wissen dies mittlerweile 90 Prozent der Autofahrer, doch nur zwei Drittel (66 Prozent) halten sich an die Empfehlung der Reifenhersteller, bei Temperaturen ab sieben Grad Winterreifen aufzuziehen, etwa ein Fünftel rüstet erst bei null Grad um, 3,6 Prozent sogar erst, wenn der erste Schnee fällt.
Doch was heißt „bei Kraftfahrzeugen muss die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse angepasst sein“ genau? Wer auf winterlichen Straßenverhältnissen mit abgefahrenen Sommerreifen unterwegs ist, bezahlt 20 Euro und wer den Verkehr behindert, zahlt sogar 40 Euro und erhält einen Punkt in Flensburg. Dabei reicht es aus, etwa bei Schneematsch auf der Autobahn, wegen schlechter Haftung nur noch Schritttempo zu fahren.
Warum Winterreifen?
Sommerreifen sind so lange gut, wie sie nicht durch niedrige Temperaturen verhärten. Dies fängt ungefähr bei sieben Grad plus an. Je tiefer die Temperaturen, desto härter wird der Reifen, und irgendwann rutscht der leichtsinnige Autofahrer wie auf vier Holzklötzen über den Schnee. Winterreifen besitzen dagegen andere Gummimischungen, die bei niedrigen Temperaturen elastisch bleiben. So kann sich das spezielle Profil, das viele Rillen und Lamellen (feinste Einschnitte) hat, gut in die rutschige Fahrbahn krallen
Die Schneeflocke
Jeder Zweite ist sich über die richtige Kennzeichnung von Winterreifen im Unklaren. Dabei fällt auf, dass vor allem Frauen (72,9 Prozent) weniger gut informiert sind als Männer (40,8 Prozent). 20 Prozent halten die zwar rechtlich ausreichende, aber nicht geschützte „M+S“-Kennung für richtig, fast zwölf Prozent halten sich dagegen lieber an das Schneeflockensymbol, das ausschließlich nach einem weltweit anerkannten Verfahren erfolgreich getestete Winterreifen tragen dürfen. Und nur ganze zehn Prozent wissen, dass beide Symbole erforderlich sind.
Welchen Reifen kaufen?
Wenn man den Herstellern von Winterreifen glaubt, sind alle Reifen gleich gut. Jeder hebt sein Produkt in den Himmel und der Autofahrer, der vermeintlich glaubt, ein Schnäppchen gemacht zu haben, stellt erst bei einer Notsituation fest, ob seine Reifenwahl richtig war. Doch dann ist es längst zu spät.
Eine vernünftige Beratung beim Reifenkauf ist wichtig und die erhält man nicht beim Internetkauf, auch wenn das Preisangebot verlockend aussieht. Reifenkauf ist keine Glückssache, sondern das Ergebnis einer Recherche, die der Autofahrer vor dem Kauf durchführen muss. Die Tests der renommierten Autofachzeitschriften oder vom ADAC (www.adac.de) geben meist einen guten Überblick über die gängigsten Reifengrößen und Hersteller. Auch die Stiftung Warentest hat 34 Reifen getestet und zeigt sie auf der Internetseite www.test.de unter der Rubrik „Auto und Verkehr“ (die LN stellten die empfehlenswerten Modelle am 7. Oktober vor).
Jeder Autofahrer sollte vor dem Billigkauf sorgfältig abwägen, ob sich die Einsparung von vielleicht 100 Euro an einem Satz Winterreifen lohnen. Wenn mit Billigreifen der Bremsweg in einer Notsituation nur einen Meter zu lang war, sind das die „teuersten Reifen“ gewesen, die sie je gekauft haben.
Allgemeine Tipps
Haben sie jetzt noch immer nicht gewechselt, dann wird es höchste Zeit. Vertrauen sie nicht darauf, dass sie ein guter Autofahrer sind. Selbst ein Rallyeweltmeister wie Walter Röhrl würde heutzutage nicht in ein Auto steigen, das noch keine Winterreifen aufgezogen hat. Wird ein Reifenwechsel notwendig, ist grundsätzlich der Austausch aller vier Reifen optimal. Auf Dauer spart man Geld, wenn die Winterreifen schon auf einem eigenen Satz Felgen montiert sind. Somit erspart man sich die zeitaufwändige Felgen-Wechselmontage beim Reifenhändler. Dagegen sollten sie die Montage des Winterreifensatzes schon beim Reifen- oder Kfz-Händler ihrer Wahl ausführen lassen. Der kontrolliert die Reifen und schaut meist auch gleich nach den Bremsen, Federn und Stoßdämpfern. Ein Vergleich der Preise per Telefon lohnt sich vorher immer, denn die Preise schwanken enorm von unter zwanzig Euro bis über 40 Euro.
Der Satz Sommerreifen sollte trocken und ohne einseitige Belastung gelagert werden. Kompletträder (Felge und Reifen) werden am besten liegend gestapelt. Reifen ohne Felge sollten stehend gelagert und während des Winters von Zeit zu Zeit gedreht werden, um Verformungen zu vermeiden.

zurück

zuletzt aktualisiert am 02.12.2020 

© by BBS Redaktion 2002 - 2020